Patientenverfügung in der Praxis

Klaus Kobert ist hauptamtlichen Ethiker des Evangelischen Krankenhauses in  Bielefeld.

In einem Interview mit der Frankfurter Rundschau am 6. April 2013 bestätigt er, dass es immer weniger Ärzte gibt, die sich mit Patientenverfügungen schwer tun. Heute sei der weit überwiegende Anteil froh wenn, sie den Willen des Patienten kennen, der sich nicht mehr äußern kann.

Früher sei die Angst der Angehörigen groß gewesen, vor einer medizinisch nicht mehr sinnvollen Behandlung des Patienten. Heute gehe es oft darum, dass Patienten vor ihrer eigenen Verfügung geschützt werden müssten, da die Patientenverfügungen oft zu pauschal abgefasst seien. Als Beispiel stellte er den Fall eines jungen Mannes dar, der eine gültige Verfügung besaß. In dieser sei festgehalten gewesen, dass er grundsätzlich eine künstliche Beatmung ausgeschlossen habe. Aufgrund eines Schwelbrandes in seiner Wohnung erlitt er eine Rauchgasvergiftung. Wäre man der Patientenverfügung wortgenau gefolgt, hätte man ihn sterben lassen müssen. Das konnte der Patient aber unmöglich gemeint haben.

Für die Situation, dass nach einer vorübergehenden intensivmedizinischen Behandlung sein bisheriges Leben wiederhergestellt werden konnte, hatte er in seiner Patientenverfügung keine Festlegungen getroffen. Nach Rücksprache mit den Angehörigen stellte sich heraus, dass es auch nicht so gemeint war. Er hatte erlebt, wie sein Großvater nach wochenlangem Aufenthalt auf einer Intensivstation künstlich beatmet wurde, ohne Aussicht auf ein lebenswertes und umweltbezogenes Leben und auch anschließend starb. Das war es, was er nicht für sich wollte.

Patientenverfügung – zu wichtig für eine schnelle Abarbeitung nebenbei.

Menschen nehmen also allzu oft Dinge aus ihrem unmittelbaren Umfeld auf und schreiben etwas unreflektiert auf, ohne sich über die tatsächlichen Folgen im Klaren zu sein. Heute ist der junge Mann froh, dass der Arzt seine Patientenverfügung nicht wortgetreu umgesetzt hat.

Kobert kritisiert in dem Interview aber auch die oft dubiose Rolle, die Angehörige spielen. Häufig erlebe er, dass Patientenverfügungen von Angehörigen vorgelegt werden bei denen unklar ist, ob diese überhaupt vom Patienten selbst unterschrieben wurde. Da schreibt zum Beispiel die Ehefrau eine Verfügung für ihren Mann, der gar nicht mehr einwilligungsfähig ist. Sie glaubte als Vorsorgebevollmächtigte dürfte sie das. Das sei natürlich verboten.

Bei einwandfreien Patientenverfügungen sei es aber so, dass die meisten Bevollmächtigten den Willen des Patienten in einer sehr angemessenen Form vertreten und unterstützen und damit den Prozess der Entscheidungsfindung in Sinne des Patienten. Ausnahmen gäbe es aber immer wieder. Was eine Patientenverfügung tatsächlich bedeutet, ist den Meisten nicht bewusst. Er höre häufig von Angehörigen „das ist doch kein Leben mehr, das würde ich für mich nicht wollen.“ Darum gehe es aber nicht. Jeder entscheide für sich, was für ihn lebenswert sei.

Helfen lassen – aber nicht einseitig medizinisch oder einfach nur juristisch gut formuliert

Das Interview zeigt, wie wichtig es ist, nicht irgendwelche Formulierungen zu wählen und aneinander zu reihen oder vorformulierte Muster oder Formulare aus dem Internet zu übernehmen. Eine individuelle Patientenverfügung, aber auch Gesundheits- und Vorsorgevollmachten sind Dokumente, die reiflich in all ihren Auswirkungen überlegt sein müssen. Es empfiehlt sich also dringend bewährte Lösungswege zu wählen und fachmännische Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

Die Bundeszentralstelle Patientenverfügung bietet eine solche medizinisch und rechtlich korrekte Vorgehensweise:

https://patientenverfuegung.de/standard/

Fachmännische Hilfestellungen beim Ausfüllen bietet:

http://patientenverfuegung-online.net/online-pv/

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2 Kommentare to “Patientenverfügung in der Praxis”

  1. Franka T. sagt:

    Guten Tag,
    beim Datum des Interviews im obigen Text hat sich leider ein kleiner fehler eingeschlichen.
    Freundlche Grüße

  2. Günter Pfeifer sagt:

    Vielen Dank Frau Franka T.,
    das Datum wurde vom 6.4.2023 auf 6.4.2013 geändert.

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