Patientenverfügung und Organspende

OrganspendeausweisDie Bundesärztekammer hat  am 19.3.13 über ihren Präsidenten Frank Ulrich Montgomery erklärt, dass kein Widerspruch darin zu sehen ist, dass Menschen in einer Patientenverfügung einerseits lebensverlängernde Maßnahmen ausschließen, andererseits aber gleichzeitig ihre Organspendebereitschaft dokumentiert haben.

Bei einem potenziellen  Spender werden die intensivmedizinischen Maßnahmen während der Hirntoddiagnostik und bis zu einer Organspende fortgeführt, um deren Transplantationsfähigkeit zu erhalten. Da der Patient beide Erklärungen verfasst hat, müssen die tatsächlichen Formulierungen des dort festgehaltenen Willens festgestellt werden. 

Um den behandelnden Ärzten und den Patienten eine Hilfestellung zu geben wurde ein Arbeitspapier vorgestellt. Für Ärzte sind bestimmte Fallkonstellationen und die empfohlenen Handlungsweise dargestellt. Für Patienten wurden Formulierungen entwickelt, um vorhandene Patientenverfügungen entsprechend zu ergänzen, bzw. bei neu zu erstellende Verfügungen zu berücksichtigen. Außerdem schlägt die Ärztekammer vor, die Organspendeausweise zu präzisieren. Auch hierfür liegt ein Vorschlag vor.

Von der Leiterin der Bundeszentralstelle Patientenverfügung Frau Gita Neumann wurde das Arbeitspapier begrüßt:

„Im Rahmen unserer Beratung und Abfassungshilfe zu Patientenverfügung inklusive Organspende halten wir den Vorstoß der Expertengruppe der BÄK für äußerst hilfreich, differenziert und praktikabel. Er unterscheidet drei verschiedene Situationen. Je nach dem soll dann entweder die Zustimmung zur Organspende, das Votum des Patientenvertreters oder der Verzicht auf intensivmedizinische Maßnahmen in ethisch vertretbarer Weise Vorrang haben.“

Die wesentlichen Aussagen des Arbeitspapiers:

1. Der Patient liegt auf der Intensivstation und wird beatmet. Die Ärzte vermuten, dass der Hirntod bereits eingetreten ist. Der in seiner Patientenverfügung ausgedrückte Wille nach Begrenzung der Therapie, ist mit seiner festgehaltenen Bereitschaft zur Organspende und der dafür notwendigen kurzen Aufrechterhaltung der Vitalfunktionen vereinbar. Die Feststellung des Hirntods ist eine notwendige Voraussetzung für eine Organspende. Die Fortsetzung von intensivmedizinischen Maßnahmen zur Ermöglichung der Feststellung  des Hirntodes und einer möglichen sich anschließenden Organspende ist zeitlich sehr eng begrenzt. Aufgrund der Organspendeerklärung und eines entsprechenden Absatzes in der Patientenverfügung ist davon auszugehen, dass der Patient einverstanden ist.

2. Der Patient liegt auf der Intensivstation und die Ärzte vermuten, dass der Hirntod erst in ein paar Tagen eintreten wird. Folgt man dem Wunsch des Patienten nach Therapiebegrenzung aufgrund seiner Patientenverfügung, würde er versterben, bevor der Hirntod festgestellt ist. Die Fortführung der intensivmedizinischen Behandlung zur Realisierung der Organspendebereitschaft, verlängert den Sterbeprozess somit nicht nur um den Zeitraum, der für die Feststellung des Hirntods und die Durchführung der Organspende benötigt wird, sondern auch um den Zeitraum bis zum Eintritt des Hirntods. Daher kann nicht schon aus der Organspendeerklärung des Patienten abgeleitet werden, dass er mit der Fortführung der intensivmedizinischen Maßnahmen einverstanden ist. Eine Entscheidung hierüber ist mit dem Patientenvertreter (Bevollmächtigter oder Betreuer) und den Angehörigen des Patienten zu suchen.

 3. Als ethisch nicht vertretbar und rechtlich unzulässig werten die Experten eine für die Organentnahmen notwendige Reanimation eines Patienten, der zwar seine Spendebereitschaft dokumentiert, eine Reanimation in der Verfügung aber abgelehnt habe.

Diese Webseite arbeitet ausschließlich mit der Online-Erfassung der Bundeszentralstelle Patientenverfügung. Alle Änderungen, die z.B. aufgrund des Arbeitspapiers der BÄK oder anderen Neuregelungen ergeben, werden somit über die Seite „Lösung“ zeitgleich umgesetzt.

 

 

 

 

 

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